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Flamme eines Versuchsstands zur Untersuchung der direkten Ammoniakverbrennung in einem GWI-Labor.

29. Juli 2026

Direkte Ammoniakverbrennung: Forschung mit Praxispotenzial

GWI stellt Forschungsergebnisse auf dem vgbe Congress 2026 vor
Versuche zur direkten Verbrennung von Ammoniak: Im GWI werden Brennerkonzepte für industrielle Hochtemperaturanwendungen entwickelt und erprobt.; © GWI
Direkte Ammoniakverbrennung: Wie das GWI emissionsarme Brenner für die Industrie entwickelt
Wissenschaftler des GWI steht neben einem Versuchsstand in einem Forschungslabor.
Bernd Feller am Versuchsstand für die Entwicklung und Erprobung von Brennerkonzepten zur direkten Ammoniakverbrennung. © GWI

Projektleiter Bernd Feller erläutert im Interview, wie das GWI Brennerkonzepte für die direkte Ammoniakverbrennung entwickelt, welche Ergebnisse das Forschungsprojekt NH3preheat erzielt hat und welches Potenzial die Technologie für industrielle Hochtemperaturprozesse bietet.

Am 10. September 2026 präsentiert Bernd Feller auf dem vgbe Congress 2026 in Berlin aktuelle Forschungsergebnisse zur direkten Verbrennung von Ammoniak in industriellen Brennersystemen. Im Interview erklärt er, warum Ammoniak als Energieträger zunehmend an Bedeutung gewinnt, welche Herausforderungen bei der Verbrennung bestehen und welche Ergebnisse das Forschungsprojekt NH3Preheat erzielt hat.

Bernd, worum geht es in deinem Vortrag auf dem vgbe Congress 2026?

In meinem Vortrag stelle ich die Ergebnisse unserer grundlegenden Untersuchungen zum thermischen partiellen Cracken von Ammoniak vor. Außerdem präsentiere ich das im Rahmen eines ZIM-Kooperationsprojektes entwickelte Verbrennungskonzept sowie das daraus entstandene Brennerdesign mit internem partiellem Cracken. Damit konnten wir unter semi-industriellen Bedingungen zeigen, dass eine direkte Verbrennung von reinem gasförmigem Ammoniak unter Einhaltung der geltenden Emissionsgrenzwerte möglich ist.

 

Warum beschäftigt sich das GWI mit der direkten Verbrennung von Ammoniak?

Ammoniak ist ein vielversprechendes Wasserstoffderivat. Es lässt sich einfach speichern und transportieren und kann dadurch eine wichtige Rolle beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft spielen. Besonders für dezentrale Industriestandorte eröffnet die direkte Nutzung von Ammoniak neue Möglichkeiten, fossile Energieträger zu ersetzen und CO₂-Emissionen zu reduzieren.

Welche Herausforderungen bringt die Verbrennung von Ammoniak mit sich?

Ammoniak ist im Vergleich zu Erdgas oder Wasserstoff ein äußerst reaktionsträges Gas, wodurch sich Flammen deutlich schwerer stabilisieren lassen. Durch den brennstoffgebundenen Stickstoff entstehen potenziell zudem sehr hohe NOx-Emissionen. Genau an diesen Fragestellungen haben wir im Projekt gearbeitet und konnten so erfolgreich zeigen, dass neue, innovative Brennerdesigns erhebliche Potenziale bieten, um die beiden Herausforderungen Flammenstabilität und Einhaltung von Emissionsgrenzwerten zu lösen.

Der am GWI entwickelte Brenner ermöglicht die emissionsarme direkte Verbrennung von Ammoniak und wurde im Forschungsprojekt NH3preheat erprobt.
Am GWI entwickelter Brenner für die direkte Verbrennung von Ammoniak mit internem partiellem Cracken. © KueSol Additive GmbH

Was sind die wichtigsten Ergebnisse deiner Forschung?

Ein zentrales Ergebnis ist die Entwicklung eines vorindustriellen Rekuperatorbrennersystems mit interner Ammoniak-Vorwärmung. Mit diesem System konnten wir Ammoniak direkt verbrennen und dabei NOₓ-Emissionswerte erreichen, die auf beziehungsweise sogar unter dem Niveau heutiger Erdgasbrenner liegen. Das zeigt, dass eine emissionsarme Nutzung von Ammoniak technisch realisierbar ist.

 

Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse für die Industrie?

Die Industrie steht vor der Herausforderung, ihre Prozesse zu dekarbonisieren und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben. Unsere Forschung zeigt, dass Ammoniak hierfür eine interessante Option sein kann – insbesondere dort, wo erneuerbarer Wasserstoff in Form von Ammoniak transportiert oder gespeichert wird, ermöglicht das entwickelte Brennersystem die direkte energetische Verwertung ohne zusätzlichen Energieaufwand zur Aufspaltung des Ammoniaks zu Wasserstoff. Die Ergebnisse leisten damit einen Beitrag zur Energiewende und unterstützen die Ziele der Nationalen Wasserstoffstrategie.

 

Für welche Anwendungen ist das entwickelte Brennerkonzept besonders interessant?

Grundsätzlich ist das entwickelte Brennerkonzept für die meisten Anwendungen innerhalb der Thermoprozessindustrie geeignet. Als besonders interessant erscheinen aus heutiger Sicht Hochtemperaturprozesse oberhalb von 750 °C, da bei diesen Temperaturen die nachteiligen Verbrennungseigenschaften des Ammoniaks gut ausgeglichen werden können und ein Ammoniak-Schlupf einfacher zu vermeiden ist.

Darüber hinaus sehen wir großes Potenzial für dezentrale Industriestandorte, die in den kommenden Jahren voraussichtlich noch nicht an das Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen sein werden. Für diese Unternehmen könnte Ammoniak eine interessante Alternative sein, um den Einsatz klimafreundlicher Energieträger frühzeitig zu ermöglichen.

Zwei Mitarbeiter des GWI stehen an einem Laptop vor einem Versuchsstand und werten Versuchsdaten aus.
Versuche werden am GWI gemeinsam geplant, durchgeführt und ausgewertet – die enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Technikern ist ein wichtiger Bestandteil unserer Forschungsarbeit. © GWI

Wie weit ist die Technologie heute von einem industriellen Einsatz entfernt?

Die Technologie selbst ist bereits weit entwickelt und hat theoretisch Vorserienreife erreicht. Aus technischer Sicht wäre der nächste Schritt ein erster Test unter realen Betriebsbedingungen in einer industriellen Anlage.

Die größten Herausforderungen liegen derzeit jedoch weniger in der Brennertechnik als in den regulatorischen Rahmenbedingungen. Ammoniak ist aktuell noch nicht als Brenngas zugelassen. Gleichzeitig muss für erste Demonstrationsvorhaben eine sichere Versorgungsinfrastruktur gewährleistet sein. Eine Vielzahl der damit verbundenen Themen werden wir uns daher im Rahmen des Nachfolgeprojektes LiquidNH3 gemeinsam mit unserem Projektpartner der KueSol Additive GmbH widmen. 

 

Die Ergebnisse stammen aus dem Forschungsprojekt NH3Preheat. Was war das Ziel des Projekts?

Das Ziel des Projektes NH3Preheat war die Entwicklung eines effizienten Rekuperatorbrenner der eine stabile und schadstoffarme Verbrennung von gasförmigem Ammoniak ermöglicht. Über erste Grundlagenuntersuchungen und einen Prototypen im Labormaßstab konnten wir so gemeinsam das Konzept des internen, partiellen Crackens entwickeln und auf einen industriellen Maßstab hochskalieren.

Worauf freust du dich beim vgbe Congress besonders?

Der vgbe Congress bietet eine hervorragende Gelegenheit, unsere Forschungsergebnisse mit Fachleuten aus Industrie, Wissenschaft und Energiewirtschaft zu diskutieren. Ich freue mich besonders auf den fachlichen Austausch und darauf, neue Impulse für die Weiterentwicklung der Technologie mitzunehmen.

Sie möchten mehr erfahren?
Die direkte Verbrennung von Ammoniak bietet spannende Perspektiven für die Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Wenn Sie Fragen zu den Forschungsergebnissen, zum Projekt NH3Preheat oder zu möglichen Anwendungsfeldern haben, freut sich Bernd Feller auf den Austausch mit Ihnen.
Bernd Feller
Projektleiter
Telefon+49 201 3618-184